In Schulen kann es jederzeit zu Notfällen kommen – von kleineren Verletzungen bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen. Eine funktionierende Erste-Hilfe-Organisation ist daher kein optionales Extra, sondern eine zentrale Aufgabe der Schulleitung. Sie trägt die Verantwortung dafür, dass sowohl die sachliche Ausstattung als auch das Personal und die organisatorischen Abläufe im Ernstfall zuverlässig greifen.

Dieser Beitrag zeigt, welche Anforderungen an die Erste Hilfe an Schulen gestellt werden, wie eine geeignete Ausstattung sichergestellt wird und welche Rolle qualifiziertes Personal sowie Schülerinnen und Schüler selbst dabei spielen. Darüber hinaus erhalten Sie konkrete Praxistipps, um die Erste-Hilfe-Strukturen an Ihrer Schule nachhaltig zu stärken.

Sachliche Ausstattung für eine funktionierende Erste-Hilfe-Organisation

Schulleitungen müssen gemeinsam mit dem Schulträger beziehungsweise Sachkostenträger eine funktionierende Erste-Hilfe-Organisation aufbauen und deren Einsatzbereitschaft fortlaufend überprüfen. Dazu gehören nicht nur klare Zuständigkeiten, sondern auch eine verlässliche sachliche Ausstattung:

  • Notruf- und Meldeeinrichtungen: In jeder Schule muss jederzeit ein zuverlässiger Notruf abgesetzt werden können. Telefonanlagen und Notrufknöpfe sollten zentral erreichbar sein – in großen Gebäuden auch in Sporthallen oder Fachräumen. In der Nähe der Meldeeinrichtungen sind die Kontaktdaten der Ersthelfer, der Unfallversicherung, der nächstgelegenen Ärzte und die Notrufnummern 112/110 auszuhängen.
  • Erste‑Hilfe‑Raum: Der Raum sollte zentral gelegen, für den Rettungsdienst zugänglich und mit einer Liege oder Trage, fließendem Wasser, Verbandsmaterial und einer Sitzgelegenheit für Begleitpersonen ausgestattet sein
  • Verbandmaterial – Verbandskasten nach DIN 13157/13169: Die wichtigsten Bestandteile sind Pflastermaterial, sterile Verbandspäckchen und Verbandstücher, Fixierbinden, Rettungsdecke, Kompresse, Augenkompresse und Kälte-Sofortkompressen
  • Schere, Einmalhandschuhe, Folienbeutel und Vliesstofftücher, Feuchttücher für die Reinigung, Gesichtsmaske
  • Reanimationsgeräte (Automatisierte Externe Defibrillatoren, AED): Es besteht zwar keine gesetzliche Pflicht, AED vorzuhalten, ist aber empfehlenswert.
  • Erste‑Hilfe‑Schilder und Pläne, die Standorte der Ausrüstung und Ansprechpartner ausweisen.

 

Alle Verbandsmaterialien müssen regelmäßig kontrolliert, abgelaufene Materialien ersetzt und die Inhalte nach jeder Benutzung ergänzt werden. Der Schulträger finanziert die Anschaffung und Wartung, aber die Schulleitung muss die Ausstattung und Einsatzbereitschaft überprüfen. Die Verantwortung der Schulleitung besteht jedoch darin, die Ausstattung, Vollständigkeit und Einsatzbereitschaft im Blick zu behalten. Das gilt ausdrücklich auch für Fachräume, etwa in den Naturwissenschaften oder im Sportunterricht, in denen ein erhöhtes Verletzungsrisiko bestehen kann.

 

Erste‑Hilfe‑Personal an Schulen: Lehrkräfte als Ersthelfer:innen

Teil der Ausbildung ist es, dass jede Lehrkraft eine Erste‑Hilfe‑Ausbildung hat. Für Veranstaltungen muss jederzeit ausreichend geschultes Personal vorhanden sein. Bei Bedarf ist eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, um die Anzahl der Ersthelfer festzulegen. Es sollte also die wiederkehrende Erste-Hilfe-Ausbildung der Lehrkräfte Pflicht sein.

Erste‑Hilfe‑Ausbildung für Lehrkräfte: Kurse und Fortbildungen

Lehrkräfte durchlaufen einen Erste‑Hilfe‑Lehrgang mit neun Unterrichtseinheiten; alle zwei Jahre wird eine Fortbildung gleicher Dauer empfohlen. Hier ist auch zu bedenken, dass Lehrkräfte insbesondere Este-Hilfe-Ausbildungen für Kinder (v.a. Grundschullehrkräfte) absolvieren sollen. In Nordrhein‑Westfalen müssen an Schulen mit bis zu zehn Lehrkräften mindestens zwei Lehrkräfte als Ersthelfer ausgebildet sein, bei größeren Schulen etwa 20 %. Anerkannte Hilfsorganisationen wie Deutsches Rotes Kreuz, ASB, Johanniter, Malteser und DLRG bieten die Kurse an. Lehrkräfte können zudem Lehrberechtigungen erwerben, die alle drei Jahre erneuert werden müssen.

Erste Hilfe an Schulen: Zusammenfassung und Praxistipps