Der Übergang in die weiterführende Schule ist für viele Kinder ein Neustart – fachlich, sozial und organisatorisch. Gleichzeitig werden früh Weichen gestellt: Erwartungen an Abschlüsse, Leistungsbilder, Lernbiografien. Genau in dieser Phase zeigt sich ein Kernproblem klassischer Ziffernoten: Sie wirken klar, bilden aber individuelle Lernstände, Stärken, Entwicklungsverläufe und Förderbedarfe nur sehr begrenzt ab. Im Ergebnis entsteht schnell Selektion statt gezielter Unterstützung.

Eine Alternative, die sich in Schulen bewährt hat: Zeugnisgespräche, ergänzt durch Kompetenzraster, die fachliche Rückmeldung standardisieren und für Eltern und Schülerschaft nachvollziehbar machen.

Der entscheidende Punkt für Schulleitungen: Es geht nicht um „ein neues Gesprächsformat“, sondern um eine veränderte Rückmeldekultur, die das ganze Schuljahr über wirkt. Lesen Sie im folgenden Artikel, wie Sie kompetenzorientierte Zeugnisgespräche im Jahrgang 5/6 einführen.

 

Warum Zeugnisgespräche – und warum gerade in 5/6?

In Jahrgang 5 und 6 treffen sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen aufeinander. Kinder entwickeln sich in Tempo und Reife verschieden, sprachliche Voraussetzungen sind unterschiedlich, und auch Interessen und Begabungen sind oft noch im Findungsprozess.

In dieser Lage geben Ziffernoten zwar ein Signal, aber selten eine brauchbare Antwort auf die Leitfrage: „Woran genau sollte dieses Kind als Nächstes arbeiten?“

Zeugnisgespräche können hier ihren größten Wert entfalten: Sie schaffen Raum für Orientierung, Beziehung, Reflexion – und für Zielvereinbarungen, die nicht nur bewerten, sondern Entwicklung ermöglichen.

Praxisbeispiel: Zeugnisgespräche an der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden (Pilot 5/6)
An der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden wurde bereits vor einigen Jahren entschieden, die Ziffernoten in Jahrgang 5 und 6 auszusetzen und stattdessen auf kompetenzorientierte Zeugnisgespräche umzusteigen. In diesen Gesprächen, die etwa 30 Minuten dauern, sprechen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Eltern und der Klassenlehrkraft über ihre Leistungsentwicklung, ihre persönliche Entfaltung sowie das Arbeits- und Sozialverhalten.

Am Ende des Gesprächs wird jeweils eine Zielvereinbarung für das kommende Halbjahr getroffen. Die Rückmeldungen basieren auf Kompetenzrastern, die klar darlegen, in welchen Kompetenzbereichen sich die Lernenden weiterentwickelt haben und in welchen Bereichen noch Entwicklungsbedarf besteht. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, den Fokus auf individuelle Lernfortschritte und nicht nur auf die reine Notenbewertung zu legen.

Dieses Pilotprojekt an der Helene-Lange-Schule dient als Beispiel für die Implementierung kompetenzorientierter Rückmeldekultur im Jahrgang 5/6 und zeigt, wie ein strukturierter Prozess mit Kompetenzraster und Zielvereinbarungen eine wertvolle Alternative zu klassischen Ziffernoten darstellen kann.

 

Der Knackpunkt: Ohne Standards kippt die Transparenz

Lösung für die Steuerung: Kompetenzraster als gemeinsamer Standard

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