Geflüchtete und traumatisierte Kinder in der Schule
Zusammenfassung
Flucht und Traumatisierung – Wie Schulen unterstützen können
Die aktuelle Situation an Schulen
- An deutschen Schulen lernen weiterhin viele Kinder und Jugendliche mit Flucht- und Kriegserfahrungen.
- Sie bringen sehr unterschiedliche Voraussetzungen, Belastungen und Reaktionen mit.
- Schule ist für sie ein zentraler Ort von Sicherheit, Struktur und Verlässlichkeit.
Trauma verstehen
- Traumatisierungen entstehen durch überwältigende Ereignisse, die nicht verarbeitet werden können.
- Typisch sind Triggerreaktionen, Dissoziation und eingeschränkte Kontrolle über Verhalten.
- Akute Belastungsreaktionen und PTBS müssen klar unterschieden und fachlich eingeordnet werden.
Konkrete Hilfen im Schulalltag
- Externe Fachstellen sollten frühzeitig eingebunden werden.
- Struktur, Rituale und verlässliche Beziehungen fördern Stabilisierung.
- Beteiligung und Mitbestimmung helfen, erlebten Kontrollverlust zu reduzieren.
Schulische Konzepte und Prävention
- Wissen und Erfahrung sollten systematisch in Schulkonzepte integriert werden.
- Krisenteams, Notfallkisten und transparente Zuständigkeiten erhöhen Handlungssicherheit.
- Prävention stärkt nicht nur Einzelne, sondern die gesamte Schulgemeinschaft.
Selbstfürsorge im Kollegium
- Die Arbeit mit traumatisierten Kindern kann emotional belastend sein.
- Austausch, Supervision und Teamarbeit sind zentrale Schutzfaktoren.
- Verantwortung sollte bewusst auf mehrere Schultern verteilt werden.
Fazit:
Schulen können für geflüchtete und traumatisierte Kinder ein stabilisierender Schutzraum sein, wenn sie Sicherheit, Struktur und verlässliche Beziehungen bieten. Voraussetzung dafür sind fachliches Wissen, klare Zuständigkeiten, externe Vernetzung und eine bewusste Selbstfürsorge im Kollegium.
Geflüchtete und traumatisierte Kinder in der Schule – Orientierung für Schulleitungen
Nach wie vor kommen Kinder und Jugendliche aus Krisen- und Kriegsgebieten an deutsche Schulen. Zum Schuljahresbeginn 2025/26 waren 359.429 Kinder und Jugendliche allein aus der Ukraine im Ausländerzentralregister erfasst (vgl. → Mediendienst Integration 2025). Auch weiterhin ist davon auszugehen, dass Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen neu hinzukommen.
Diese Kinder mussten ihre vertraute Umgebung abrupt verlassen, leben häufig in Ungewissheit und Sorge um Angehörige und sprechen oft kein Deutsch. Manche waren zeitweise allein auf der Flucht. Entsprechend unterschiedlich zeigen sich ihre Reaktionen: Einige wirken stabil und offen, andere verängstigt, zurückgezogen oder gereizt.
Geflüchtete Kinder haben in Deutschland ein Recht auf Schulbildung. Je nach Bundesland und Schule werden sie zunächst in Willkommens- bzw. Sprachlernklassen oder direkt in Regelklassen unterrichtet. Dies stellt Schulleitungen, Lehrkräfte, Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Eltern vor besondere Herausforderungen. Handlungssicherheit, Wissen über Trauma, Verständnis und Akzeptanz, aber auch Selbstfürsorge sind zentrale Voraussetzungen, um angemessen reagieren zu können. Für die betroffenen Kinder ist das Erleben von Sicherheit im Schulalltag von besonderer Bedeutung.
Grundsätzlich gilt: Jede Schülerin und jeder Schüler muss als Einzelfall betrachtet werden. Gleichzeitig sind auch Lehrkräfte und Eltern durch die allgemeine gesellschaftliche Unsicherheit belastet, was den Umgang zusätzlich erschweren kann.
| Fallbeispiel Daria |
| Daria, acht Jahre alt, flieht mit ihrer Familie aus der Ukraine. Auf der Flucht erlebt sie Angst, Trennung vom Vater und den Verlust ihrer bisherigen Lebenswelt.
In Deutschland zeigt sie Schlafstörungen, Panikreaktionen und starke Ängste. In der Schule reagiert sie auf ein lautes Türknallen mit Panik und Fluchtverhalten. Später kann sie sich an den Vorfall kaum erinnern. Es liegt der Verdacht einer Traumatisierung nahe. |
Was ist ein Trauma?
Traumatisierungen entstehen durch extrem belastende, bedrohliche oder überwältigende Ereignisse, die mit normalen Bewältigungsstrategien nicht verarbeitet werden können. Der Organismus schaltet in ein Notfallprogramm, das auf reines Überleben ausgerichtet ist (Kampf, Flucht oder Erstarren).
| Wichtig |
| Betroffene handeln in solchen Momenten nicht bewusst oder absichtlich. Kognitive Kontrolle ist stark eingeschränkt. In diesem Zustand werden Erinnerungen fragmentiert und ungeordnet abgespeichert. |
Bestimmte Sinneseindrücke – sogenannte Trigger – können später ausreichen, um das Notfallprogramm erneut zu aktivieren.
Im Fall von Daria fungierten das laute Geräusch und die aufgeregten Mitschüler als Trigger.
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