Nach wie vor kommen Kinder und Jugendliche aus Krisen- und Kriegsgebieten an deutsche Schulen. Zum Schuljahresbeginn 2025/26 waren 359.429 Kinder und Jugendliche allein aus der Ukraine im Ausländerzentralregister erfasst (vgl. → Mediendienst Integration 2025). Auch weiterhin ist davon auszugehen, dass Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen neu hinzukommen.

Diese Kinder mussten ihre vertraute Umgebung abrupt verlassen, leben häufig in Ungewissheit und Sorge um Angehörige und sprechen oft kein Deutsch. Manche waren zeitweise allein auf der Flucht. Entsprechend unterschiedlich zeigen sich ihre Reaktionen: Einige wirken stabil und offen, andere verängstigt, zurückgezogen oder gereizt.

Geflüchtete Kinder haben in Deutschland ein Recht auf Schulbildung. Je nach Bundesland und Schule werden sie zunächst in Willkommens- bzw. Sprachlernklassen oder direkt in Regelklassen unterrichtet. Dies stellt Schulleitungen, Lehrkräfte, Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Eltern vor besondere Herausforderungen. Handlungssicherheit, Wissen über Trauma, Verständnis und Akzeptanz, aber auch Selbstfürsorge sind zentrale Voraussetzungen, um angemessen reagieren zu können. Für die betroffenen Kinder ist das Erleben von Sicherheit im Schulalltag von besonderer Bedeutung.

Grundsätzlich gilt: Jede Schülerin und jeder Schüler muss als Einzelfall betrachtet werden. Gleichzeitig sind auch Lehrkräfte und Eltern durch die allgemeine gesellschaftliche Unsicherheit belastet, was den Umgang zusätzlich erschweren kann.

Fallbeispiel Daria
Daria, acht Jahre alt, flieht mit ihrer Familie aus der Ukraine. Auf der Flucht erlebt sie Angst, Trennung vom Vater und den Verlust ihrer bisherigen Lebenswelt.

In Deutschland zeigt sie Schlafstörungen, Panikreaktionen und starke Ängste. In der Schule reagiert sie auf ein lautes Türknallen mit Panik und Fluchtverhalten. Später kann sie sich an den Vorfall kaum erinnern.

Es liegt der Verdacht einer Traumatisierung nahe.

 

Was ist ein Trauma?

Traumatisierungen entstehen durch extrem belastende, bedrohliche oder überwältigende Ereignisse, die mit normalen Bewältigungsstrategien nicht verarbeitet werden können. Der Organismus schaltet in ein Notfallprogramm, das auf reines Überleben ausgerichtet ist (Kampf, Flucht oder Erstarren).

Wichtig
Betroffene handeln in solchen Momenten nicht bewusst oder absichtlich. Kognitive Kontrolle ist stark eingeschränkt. In diesem Zustand werden Erinnerungen fragmentiert und ungeordnet abgespeichert.

Bestimmte Sinneseindrücke – sogenannte Trigger – können später ausreichen, um das Notfallprogramm erneut zu aktivieren.

Im Fall von Daria fungierten das laute Geräusch und die aufgeregten Mitschüler als Trigger.

Wie können Sie durch Flucht traumatisierte Kinder in der Schule unterstützen?

Das Wesentliche auf einen Blick