Die inklusive Schulentwicklung steht zunehmend im Fokus, wird jedoch durch Fachkräftemangel und strukturelle Defizite erschwert. Laut der Cornelsen Schulleitungsstudie 2025 kämpfen über 50 % der Schulleitungen mit akutem Personalmangel; 96 % wünschen sich mehr multiprofessionelle Unterstützung – insbesondere zur Bewältigung psychischer Belastungen bei Schülerinnen und Schülern. Inklusionsforscherin Birgit Lütje-Klose betont, dass viele Teams zwar multiprofessionell aufgestellt sind, ihre Potenziale jedoch mangels gemeinsamer Strukturen und Haltung nicht wirksam entfalten. Schulleitungen sind gefordert, Kooperationen nicht nur personell, sondern auch kulturell und organisatorisch zu verankern, um inklusive Bildung nachhaltig zu ermöglichen.

Was Förderzentren leisten

Gerade dann, wenn keine fest zugewiesenen sonderpädagogischen Fachkräfte zur Verfügung stehen, können Kooperationen mit regionalen Förderzentren entscheidend sein. Sie bringen nicht nur Expertise ins Haus, sondern vernetzen Ihre Schule mit weiteren Akteuren im regionalen Bildungssystem.

Förderzentren können Regelschulen beim Aufbau inklusiver Strukturen unterstützen. Sie bieten:

  • Direkte Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Bedarf
  • Beratung von Lehrkräften, Eltern und Schulleitungen
  • Diagnostik und Mitwirkung an Förderplänen
  • Qualitätsentwicklung durch Netzwerkarbeit
  • Fortbildungen und kollegiale Fallberatung

Beispielhafte Aufgaben einer zugewiesenen sonderpädagogischen Lehrkraft:

  • Leitung temporärer Lerngruppen
  • Beratungsangebote für das Kollegium
  • Prozessdiagnostik und Förderplanung
  • Einbindung in multiprofessionelle Teams

 

Beispiel
Lukas besucht die 7. Klasse einer Sekundarschule und hat den sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich der emotional-sozialen Entwicklung. Seit zwei Jahren nimmt er an einer Therapie teil. Mit dem Übergang in die Sekundarstufe traten vermehrt Probleme auf: aggressives Verhalten sowie häufiges unentschuldigtes Fehlen.

Die Klassenlehrerin steht im regelmäßigen Austausch mit Lukas und seinen Eltern. Auch der Sozialpädagoge und die Therapeutin zeigen Gesprächsbereitschaft. Die Sonderpädagogin übernimmt die Koordination aller Beteiligten und sorgt für eine abgestimmte Vorgehensweise.

Ein gemeinsamer Förderplan wird erstellt, in dem alle Fachkräfte ihre Expertise einbringen. Lukas nimmt an einem Anti-Gewalt-Training teil und wird in ein Präventionskonzept gegen Schuldistanz eingebunden. Die Unterstützungsmaßnahmen werden monatlich evaluiert und weiterentwickelt.

Durch die klare Rollenverteilung fühlt sich die Klassenlehrerin entlastet. Die Sonderpädagogin trägt durch Koordination und Reflexion zur Strukturierung der Zusammenarbeit bei. Lukas erlebt sich ernst genommen, seine Eltern sind aktiv eingebunden.

Dieses Beispiel zeigt die Vorteile multiprofessioneller Kooperation: Jede Fachkraft bringt ihre Stärken ein – zum Wohl der Schülerinnen und Schüler. Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt, was die Lehrkraft deutlich entlastet.

Erste Schritte zur Zusammenarbeit

              Netzwerke aufbauen und nutzen

                    Fazit