Antisemitische Vorfälle und Ausgrenzungen stellen Schulleitungen und Lehrkräfte vor große Herausforderungen. Sie sind pädagogisch anspruchsvoll, rechtlich sensibel – und leider keine Einzelfälle. Im schulischen Alltag stellen sich dabei zentrale pädagogische und organisatorische Fragen:

  • Wie sollen Schulen auf antisemitische Äußerungen angemessen und konsequent reagieren?
  • Wie kann sich die Schulgemeinschaft wirksam gegen menschenverachtende Beleidigungen positionieren?
  • Welche pädagogischen Standards und verbindlichen schulischen Regelungen eignen sich für eine präventive Auseinandersetzung mit Antisemitismus?
  • Welche konkreten Interventionsmöglichkeiten stehen Schulen im Ernstfall zur Verfügung?

Im Folgenden finden Sie praxisnahe Orientierung und konkrete Handlungsempfehlungen.

 

Zur Aktualität eines (uralten) Problems

„Ich bin in der fünften Klasse, in der Orientierungsstufe. Ich renne über den Schulhof. Ich renne und renne, sie rennen hinter mir her. Sie schreien und grölen: ‚Hast du ihn angefasst?‘, ‚Hast du ihn berührt?‘, ‚Ihhhh‘, schreien andere, ‚du hast Juden-Aids.‘ Ich stolpere über meine eigenen Füße, stürze […]. Ich höre nur noch lautes Lachen. Einer der Jungen spuckt auf mich drauf“

(Polak 2018, S. 77).

Mit solchen Worten wurde der Stand-up-Comedian, Kolumnist und Autor Oliver Polak als Schüler auf dem Pausenhof einer Berliner Schule beschimpft und bedrängt. Obwohl der Vorfall viele Jahre zurückliegt, wirken die antisemitischen Anfeindungen bis heute nach.

Seine Erfahrung ist kein Einzelfall und kein Relikt vergangener Zeiten. Die Meldestelle Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) dokumentierte 2024 bundesweit 284 antisemitische Vorfälle an Schulen, darunter mehrere Übergriffe, und damit mehr als in den Vorjahren.

Insgesamt wurden 2024 in Deutschland 8.627 antisemitische Vorfälle erfasst, fast 77 % mehr als im Jahr zuvor, darunter auch Beleidigungen, Bedrohungen und diskriminierende Äußerungen, die nicht immer strafrechtlich relevant sind. Diese Zahlen zeigen, dass antisemitische Sprache im Alltag – auch auf Schulhöfen – weiterhin verbreitet ist und viele junge Menschen betrifft.

 

Was ist Antisemitismus?

Antisemitismusprävention als Schulleitungsaufgabe

    Interventionsstrategien und Handlungsoptionen für Schulleitungen

      Wann ist rechtliches Handeln geboten?

            Fazit